Pressemitteilungen — 26 Januar, 2026
# Kultur# Ausstellung
Schweizer Art Brut: Von den Ursprüngen der Sammlung bis heute Die Collection de l’Art Brut feiert 50 Jahre mit zwei Ausstellungen in Lausanne
Zürich, 22. Januar 2026 – Die Collection de l’Art Brut Lausanne feiert im Februar 2026 ihr 50-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum präsentiert das Museum ein vielfältiges Jahresprogramm mit zwei grossen Ausstellungen. Gezeigt werden sowohl bedeutende Werke aus der ursprünglichen Sammlung von Jean Dubuffet als auch neue Entdeckungen aus den letzten Jahrzehnten.
Das Museum wurde 1976 gegründet, um die Sammlung des französischen Malers Jean Dubuffet (1901–1985) aufzunehmen. Es war weltweit die erste öffentliche Institution, die sich ausschliesslich der Erforschung, Bewahrung und Präsentation von Art Brut widmete. Heute beherbergt das Haus über 70'000 Werke – darunter Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Fotografien und Textilarbeiten –, die von autodidaktischen Künstlerinnen und Künstlern geschaffen wurden, die ausserhalb des klassischen Kunstbetriebs arbeiten.
Der Begriff «Art Brut» entstand 1945, als Jean Dubuffet auf einer Reise durch die Schweiz psychiatrische Kliniken, Heime und Gefängnisse besuchte. Für ihn bezeichnete Art Brut Werke, die unabhängig von kulturellen Normen entstehen und die tiefsten Schichten des Menschseins berühren.
Für Dubuffet war die Schweiz der ideale Ort für seine Sammlung – ein «Bezugspunkt für antikulturelle Anarchistinnen und Anarchisten», wie er es ausdrückte. 1971 übergab er seine Werke der Stadt Lausanne, die daraufhin 1976 die Collection de l’Art Brut gründete.
Seither ist das städtische Museum kontinuierlich gewachsen – durch Ankäufe ebenso wie durch bedeutende Schenkungen. Heute umfasst die Sammlung eine beeindruckende Bandbreite künstlerischer Ausdrucksformen: von Zeichnungen, Malerei und Skulpturen bis zu Assemblagen, Fotografien und Textilarbeiten.
Die Collection de l’Art Brut geniesst heute internationale Anerkennung – sowohl für die Vielfalt ihrer Sammlung als auch für ihre historische Bedeutung als Pionierinstitution im Bereich der Art Brut.
Wer Art Brut auch ausserhalb der Collection de l’Art Brut erleben möchte, findet in der Ferme des Tilleuls in Renens eine spannende Ergänzung. Der Ausstellungsort liegt nur 15 Zugminuten von Lausanne entfernt und beherbergt das monumentale Werk «ORGANuGAMME II» der französischen Autodidaktin Danielle Jacqui (Jahrgang 1934). Die 14 Meter hohe Keramikskulptur mit rund 4'000 einzeln gestalteten Elementen wurde 2022 dauerhaft auf dem Gelände installiert. Zwischen dem 12. Februar und dem 21. Juni 2026 zeigt die Ferme des Tilleuls zudem die Ausstellung «Maisons-mères», die sich alternativen Architekturformen widmet, welche von Einzelpersonen entworfen, gebaut und bewohnt wurden – inspiriert von persönlichen Utopien und einer starken gestalterischen Vision.
Art Brut als Inspirationsquelle
Die kraftvolle Direktheit der Art Brut hat Künstlerinnen und Künstler weit über die bildende Kunst hinaus beeinflusst – von Musik über Mode bis zur Popkultur. Wie tief Dubuffets Werk nachwirkt, zeigen Aussagen prominenter Wegbegleiterinnen und Bewunderer.
David Bowie
«Die Schweiz hat mir auch die Art Brut nähergebracht – sie hatte grossen Einfluss auf mein Leben und meine Kreativität. Ich erinnere mich, wie ich Brian Eno ins Museum in Lausanne mitnahm. Wir verbrachten Stunden damit, die Werke zu betrachten und über den kreativen Prozess nachzudenken – und darüber, welche Grenzen ein Kunstschaffender bereit ist zu überschreiten.» (L’Hebdo, 06.06.2002)
Tom Yorke
«Ich habe mich sehr auf diesen Besuch gefreut – und er hat meine Erwartungen übertroffen. Es ist wirklich das beste Museum, das ich je besucht habe. Danke.» (Gästebuch, 15.08.2006)
Christian Lacroix
«Ich war immer fasziniert von Art Brut. Ich erinnere mich an ein Kleid, das eine einsame Künstlerin bestickt und unter ihrem Bett versteckt hatte. Das beeindruckt mich viel mehr als alles im Louvre.» (Le Temps, 12.07.2008)
Jubiläumsausstellungen
Februar bis Oktober 2026
Schweizer Art Brut
Von den Ursprüngen der Sammlung bis heute
Kuratiert von Sarah Lombardi
Die Ausstellung vereint eine breite Auswahl an Werken aus der Sammlung des Museums, darunter Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Stickereien und Texte. Gezeigt werden sowohl Werke aus Jean Dubuffets historischer Sammlung als auch zeitgenössische Arbeiten, die zwischen 1976 und heute in die Sammlung aufgenommen wurden.
Alle ausgestellten Werke stammen von Schweizer Kunstschaffenden der Art Brut oder wurden in der Schweiz geschaffen.
Im Zentrum der Ausstellung steht die enge und nachhaltige Beziehung zwischen Jean Dubuffet und der Schweiz – jenem Land, dem er seine Sammlung schenkte, um deren Erhalt und öffentliche Zugänglichkeit langfristig zu sichern.
Unveröffentlichtes Archivmaterial sowie Auszüge aus Dokumentarfilmen, unter anderem von Radio Télévision Suisse (RTS), ergänzen die Ausstellung.
November 2026 bis April 2027
Die Welt von Armand Schulthess
Kuratiert von Hans-Ulrich Schlumpf
Die zweite Jubiläumsausstellung widmet sich dem Schweizer Art-Brut-Künstler Armand Schulthess (1901–1972).
Der ehemalige Bundesbeamte aus Bern schuf in seinem Garten im Tessin ein einzigartiges künstlerisches Universum, das heute vollständig verschwunden ist. Sein Werk bestand aus unzähligen Objekten und Installationen aus wiederverwerteten Metallplatten, in die er enzyklopädisches Wissen eingravierte – mit Themen von Naturwissenschaft bis Philosophie.
Die Ausstellung präsentiert über 300 Objekte, die das Museum 2024 übernehmen konnte und die eine bedeutende Erweiterung der bestehenden Sammlung darstellen.
Ergänzt wird die Präsentation durch grossformatige Fotografien von Hans-Ulrich Schlumpf, der das Werk dokumentierte, bevor es zerstört wurde.
Praktische Informationen
Der Eintritt kostet CHF 12.–. Freier Eintritt gilt am Jubiläumswochenende vom 27. bis 29. Februar 2026.
Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 11 bis 18 Uhr; im Juli und August ist das Museum auch montags geöffnet. Zudem ist der Eintritt am ersten Samstag jedes Monats kostenlos.
Das Museum liegt rund 25 Gehminuten vom Bahnhof Lausanne entfernt; die nächstgelegenen Busstationen sind Jomini und Beaulieu.
Adresse: Collection de l’Art Brut, Avenue des Bergières 11, CH–1004 Lausanne.
Weitere Informationen finden Sie unter www.lausanne-tourisme.ch.
Pressebilder sind online verfügbar.
Medienkontakt Schweiz
Natalie Zipsin
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E-Mail: natalie@wearepepper.ch